CAMMANN, Alfred

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* 9.8.1909 in Hann. Münden, Niedersachsen[1][2] / † 20.4.2008[3] in Oyten, Niedersachsen[4]
Sohn des Rektors Emil CAMMANN (*1875 †1946) und Frieda DÖKEL (*1878 †1949)[5]


Alfred Cammann in einer ungarischen Schule[6]

Alfred Cammann wurde am 9. August 1909 in Hann. Münden, sozusagen an der Märchenstraße, geboren. An den Universitäten Göttingen, Königsberg und München studierte er Germanistik, Geschichte und Sport. Wie zu dieser Zeit üblich, ging er für ein "Ostsemester" im Sommer 1930 nach Königsberg an die ehrwürdige Albertina. Die Professoren Rothfels, Weber, Nadler und Worringer, der Herderforscher Dobbek als Seminarleiter und der Historiker Gause als Fachleiter für Geschichte haben in Königsberg den Grundstein gelegt für Cammanns Lebenswerk.[1]

Die Referandarzeit in Stallupönen und in Königsberg, schließlich aber auch die erste Stelle am Gymnasium in Marienwerder, wo er gleichzeitig als Assistent am Heimatmuseum wirkte, boten Gelegenheit, das Land und die Menschen gründlich kennenzulernen. Gemeinsam mit seiner Frau Luise, die ihm bis heute eine treue Weggefährtin ist und ihn in seiner Arbeit unermüdlich unterstützt, erwanderte sich Cammann das Land der Wälder und Seen, besuchte die schmucken Dörfer und stattlichen Städte, sprach mit den Menschen.

1937 dann kam es zu einer Begegnung, die den Lebensweg Cammann entscheidend prägen sollte. Ein Freund berichtete von seinem 73 Jahre alten Großvater, der für sein Leben gern Geschichten erzählte: Karl Restin aus Stuhmerfelde. Die Märchen und Geschichten dieses Mannes, erzählt an langen Abenden in der Kate des Land- und Waldarbeiters, fanden ihren Niederschlag in Cammann erstem Buch "Westpreußische Märchen", das 1961 erschien.[1][2]

In Stalingrad auf eine Mine gefahren und stark gehbehindert, kehrte Cammann aus dem Krieg zurück und ließ sich mit seiner Familie in Bremen nieder. Dort gelang ihm wieder der Anschluß an die volkskundliche Wissenschaft, dort kam es schließlich auch zu wichtigen Begegnungen mit heimatvertriebenen Ost- und Westpreußen, so daß der Niedersachse seine Arbeit in der Erzählforschung fortsetzen konnte.[7]

In Eigeninitiative gründete er die "Forschungsstelle für Volkskunde in Bremen und Niedersachsen". Hauptberuflich war Cammann als Oberstudienrat am Bremer Gymnasium, Hamburger Straße beschäftigt.

In zahlreichen Schriften, Vorträgen und Veröffentlichungen widmete Cammann sich in dieser Zeit der volkskundlich-ethnologisch-anthropologischen Forschung. Immer wieder begegnet er Menschen, die ihm Geschichten erzählen, die ihm Hinweise geben, wo er fündig werden könnte. Als seine "Westpreußischen Märchen" 1961 erscheinen, wird Cammann auch international als Sammler bekannt. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde und der International Society for Folk Narrative Research. Zahlreiche Ehrungen sind ihm für seine Arbeit zuteil geworden, so u.a. der Europa-Preis für Volkskunst der Hamburger Stiftung F.V.S., und die Ehrengabe des Georg-Dehio-Preises der Künstlergilde.[2]

Seine Bücher zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß der Sammler dem Erzähler den Vorrang läßt, den unverwechselbaren Sprachstil erhält. Das soziale Umfeld des Erzählers ist gleichermaßen von Bedeutung wie der Inhalt der Überlieferung. So sind seine Publikationen von wissenschaftlicher Akribie und dennoch auch für ein breites Leserpublikum geschaffen.


Auszug aus den erschienenen fast 20 Titeln:

  • Westpreußische Märchen, Berlin 1961
  • Deutsche Volksmärchen aus Rußland und Rumänien, Göttingen 1967
  • Die Welt der niederdeutschen Kinderspiele, 1970
  • Märchenwelt des Preußenlandes, 1973
  • Donauschwaben erzählen, Band 1-4, 1976-1980
  • Ungarndeutsche Volkserzählung, Marburg 1982
  • Heimat Wolhynien I (1985), II (1988), Marburg


Bis ins hohe Alter von über 90 Jahren war Cammann fleißig dabei, weitere Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen.


Quellen:

  1. a b c Laudation auf Alfred Cammann zur Verleihung des Ostpreußischen Kulturpreises 1994, abgedruckt im Ostpreußenblatt
  2. a b c Deutsches Schriftsteller Lexikon, 2002
  3. Nachruf Alfred Cammann in "Preußische Allgemeine Zeitung", Folge 22-08 vom 31.5.2008
  4. Artikel Alfred Cammann in Wikipedia - Die freie Enzyklopädie (in Deutsch). (gelesen am 27.5.2011)
  5. Schreiben von Prof. Dr. Bernhart Jähnig lt. Forumbeitrag vom 3.3.2012
  6. Bildausschnitt aus einer Abbildung in: Peter Nasarski, Deutsche Schulen im Ausland, Bd. 2: Erlebnisse - Erfahrungen - Erinnerungen, Westkreuz-Verlag Berlin, 1989
  7. KÖNIG, Gerhard privater Schriftverkehr mit Alfred Cammann, 2003/2004





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