RENDAR, Jan Georg

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Taufanzeige 1904
Stempel Pastor Rendar
Unterschrift Pastor Rendar
* 23.4.1904 Riga[1][2][3] ~ 19.5.1904 ev.-ref. Kirche Riga[4] / ord. 1.1.1929 Leningrad[3][5][6] / † 14.7.1994 Leck, Schleswig-Holstein[3]
auch: RȨNDĄR, Johann Georg, Lette

Sohn des Hauptkondukteurs der Rigaer-Orel-Eisenbahn Iwan RENDAR & Anna Emilia PUSCH[4] und Geschwister: Leonhard (*1892), Lydia (*1893) und Elsa Lucia (*1896)[7]

oo 14.5.1955 Sydney, New South Wales, Australien
mit Marie-Luise LEISNER[8]

Zur Person

Die Familie lebte in Witebsk, Weißrussland. In der ev.-luth. Kirche spielte Rendar mehrere Jahre die Orgel.[9]

1925 Teilnehmer am ersten Kurs[10] des vom Bischof D. A. Malmgren (*1860 †1947)[11] unter Sowjetbedingungen organisierten und begründeten Predigerseminar in Leningrad. Im Sommer 1928 gehörte er zu den 14 Seminaristen, die das Abschlußexamen bestanden haben. Beim feierlichen Abendmahlgottesdienst in der Leningrader Annenkirche wurde er zum Dienst nach Witebsk entsandt.[12][13]

Am 1. Januar 1929 wurde er in Leningrad zum Pastor ordiniert.[3][14]

1929-1931 ev.-luth. Pastor im Kirchspiel Emiltschin und in 27 umliegenden Gemeinden. Rendar beschreibt seine Arbeit:[9]

Im Emiltschiner Kirchspiel hatte ich 27 Predigtorte. Vor jedem
Gottesdienste mußte ich mich im Dorfrat melden und nach dem
Gottesdienste wieder anmelden. 1930 erhielt ich aus Charkow eine
Registraturkarte, und dann wurde es etwas leichter. Um die Kolonien
an der Grenze aber bedienen zu können, mußte ich die Genehmigung
etlicher Behörden haben; einmal waren es ganze sieben.

Während seiner Amtszeit wurde Rendar mehrfach von der GPU oder der Miliz kontrolliert oder verhaftet:[9]

Oft hatte ich mit der GPU zu tun; ... hielt mich stundenlang in Haft und versuchte mich ...
zu provozieren. ... Einmal wurde ich an meinem Wohnort von der Miliz verhaftet, ohne
Ursache den ganzen Tag gehalten und am Abend, ohne irgendeine Erklärung weshalb,
freigelassen. Immer wieder wurde ich auf den Eisenbahnfahrten von der GPU untersucht.

Im Jahr 1931 wurde für ihn die Betreuung des Kirchspiels immer schwieriger und er wurde verurteilt:[9]

Zuletzt fing man auch bei mir mit der Steuerschraube an. Zu Weihnachten 1930 habe ich fast 1000
Rubel (2000 Mark) zahlen müssen. Als man mir mitteilte, daß ich noch mehrere Tausende würde zu
zahlen haben, rief ich die Kirchenältesten aller Kolonien zusammen. Sie beschlossen, mich mit 
allen Mitteln zu unterstützen und weiterzukämpfen. Als die Bolschewisten einsahen, daß sie mich
auf diese Weise nicht loswerden konnten, da forderten einfach einzelne Kommunisten meine Ent-
fernung auf gewaltsame Weise. Daraufhin verurteilte mich, ohne Ursache zu haben, der Korostener
Kreiskommissar zur Zwangsarbeit in den Kohlegruben des Donezgebietes. ... Mein Glück war es
nun, daß man mich nicht gleich verhaftete, so daß ich noch Zeit und Möglichkeit hatte, mich zu
retten. ... Am 22. Februar 1931 habe ich meinen Wohnort Emiltschin bei Nacht und Nebel verlassen;
... Acht Monate habe ich mich herumgehehlt, ... bei barmherzigen Samaritern meines Kirchspiels.


Im Frühjahr 1932 überquert Rendar mit den Küsterbrüdern F. und N. Neumann die polnisch-sowjetische Grenze.[6] Als er in Polen ankam, wurde er interniert, aber durch die Fürsprache einiger Pastoren nach zwei Wochen freigelassen. Er soll im Jahr 1932 für kurze Zeit Pastor Vikar in Wągrowicze / Wongrowitz (Bezirk Gnesen) gewesen sein. Von 1933-1938 wirkte er unter Pastor Siegfried Oskar Loppe in Wilna und anschließend in der Gemeinde Grodno.[15]

1948 wanderte er nach Australien aus.[16] In Sydney heiratete er im Mai 1955 seine Ehefrau Marie-Luise Leisner.[8] 1957 kehrte er nach Deutschland zurück.[15]

Ab 1957 im Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holstein: 1957 Pastor in Kiel, ab 1958 in Norderstedt und 1968 bis 1974 in Braderup und Klixbüll.[3]

1.5.1974 Eintritt in den Ruhestand und am 14.7.1994 in Leck, Schleswig-Holstein verstorben.[3]

Anmerkungen und Quellen

  1. SCHMIDT, Hugo Karl Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Wolhynien, Elwert Verlag Marburg 1992, S. 70ff
  2. SCHNURR, Joseph Die Kirchen und das religiöse Leben der Russlanddeutschen - Evangelischer Teil, Verlag Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, Stuttgart 1978, S. 165
  3. a b c d e f Sterbeanzeige im Gesetz- und Verordnungsblatt der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Ausgabe 9/1994, S. 12
  4. a b Kirchenbuch Ev.-Ref. Kirche Riga 1904 Geburten, Nr. 18: Jan Georg Rendar * 23.4.1904 ~ 19.5.1904
  5. AMBURGER, Erik Die Pastoren der evangelischen Kirchen Rußlands, vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1937, ein biographisches Lexikon; Institut & Verlag Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, Martin-Luther-Verlag Erlangen, 1998; ISBN 3-922296-82-3; S. 444 , die Geburtsangaben *1896 Vitebsk stimmen nicht.
  6. a b LIZENBERGER, Olga A. Evangelisch-lutherische Kirchen und der sowjetische Staat, Moskau 1999, S. 380
  7. Taufanzeigen in Rigasche Stadtblätter vom 26.11.1892 (Leonhard), 13.5.1893 (Lydia) und 14.11.1896 (Elsa Lucia)
  8. a b Heimatbote, Ausgabe 9/1955, S. 2
  9. a b c d STENDAR Christenverfolgungen in Rußland, Artikel vom 24.2.1932 im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin; Aktenzeichen PAdAA / R 61669
  10. TSCHOERNER, Helmut Das evangelisch-lutherische Predigerseminar in Leningrad 1925-34, Anmerkungen zu seiner Geschichte. Mit 79 Briefen von Bischof D. A. Malmgren. - Erschienen in Beiträge zur Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche Rußlands, Band 3; Martin-Luther-Verlag, Erlangen 2002, S. 60f
  11. AMBURGER, Erik Die Pastoren der evangelischen Kirchen Rußlands, vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1937, ein biographisches Lexikon; Institut & Verlag Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, Martin-Luther-Verlag Erlangen, 1998; ISBN 3-922296-82-3; S. 408f
  12. TSCHOERNER ebenda zitiert aus Rigasche Rundschau vom 20.9.1928. Abgedruckt wurde ein Bericht von Pastor Frischfeld aus dem Monatsblatt Unsere Kirche.
  13. SCHNURR ebenda, darin Verzeichnis der Absolventen des Leningrader Predigerseminar vom 14. Juni 1928, S. 233; zitiert aus Deutsche Post aus dem Osten 1927, Heft 5, S. 97/98
  14. Lt. AMBURGER und LIZENBERGER ebenda wurde Rendar 1929 zum Pastor in Emiltschin berufen.
  15. a b Heimatbote, Ausgabe 9/1957, S. 3, Rubrik Unsere Pastoren mit Verweis auf Vorträge in Lodz bis 1939.
  16. Heimatbote, Ausgabe 7/1953, S. 2, Rubrik Von unseren Pastoren



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