Kostopol

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Kostopol, k.u.k. Karte '3677', M1:75.000, 1918[1]
Kostopol, poln. Karte 'A45 B43', M1:100.000, 1927
Ev.-luth. Kirche in Kostopol, 1936
Pfarrhaus und Kirche ohne Kirchturm, nach 1940[2]


Kostopol [deu./poln.], Костопіль [ukr.: Kostopil], Костополь [rus.: Kostopol] ist eine Stadt in der Oblast Rivne/Rowno. Im 18. Jahrhundert lag hier das Dorf Ostalzi [ukr.: Остальці], später Gross Ostalzi [ukr.: Великі Остальці] und Klein Ostalzi [ukr.: Малі Остальці].[3] Am 14.11.1783 erhielt Leonhard Worzel [ukr.: Леонард Ворцель] vom polnischen König Stanislaus August Poniatowski die Rechte, im Dorf Ostalzi den Flecken Kostpil [ukr.: Костпіль] oder Kostopil [ukr.: Костопіль] zu gründen. Im Jahr 1939 erhielt dieser Flecken das Stadtrecht.[4]


Unter dem Namen Kostopol sind im russischen Ortsverzeichnis aus dem Jahr 1906 drei Eintragungen zu finden (die Einwohnerzahl aus dem Jahr 1888 zum Vergleich in Klammern):[5]

  • Stadt Kostopol mit 162 Haushaltsvorständen, 1187 (841) Einwohnern
  • Kolonie Kostopol mit 25 Haushaltsvorständen, 202 (153) Einwohnern
  • Bahnstation Kostopol mit 12 Haushaltsvorständen, 128 Einwohnern


Die Stadt Kostopol oder Kostopil liegt direkt an der Bahnstrecke in Nord-Süd-Richtung zwischen den Ortschaften Rowno und Sarny. Bis in die Gegenwart entwickelte sich die Stadt zu einem größeren wirtschaftlichen Standort in der Westukraine mit einer Autobahnanbindung in Ost-West-Richtung und einem eigenem Flughafen.

Auf dem Kartenauschnitt aus dem Jahr 1918 existiert die evangelische Kirche noch nicht, dafür ist die Lage der drei eingangs aufgezählten Orte gut erkennbar.

Dieser Kartenausschnitt ist ein Beispiel für die Genauigkeit der k.u.k. Karten der österreichisch-ungarischen Monarchie im Maßstab 1:75.000.[1]

Weitere Angaben zu den Kartenwerken stehen in unserem Leitfaden.


Das evangelisch-lutherische Kirchspiel Kostopol

In der evangelischen Kirchengeschichte gehörte der Ort Kostopol zu den jüngsten Kirchspielen. Ursprünglich gehörte diese Region zum Kirchspiel Tutschin. Ein großer Teil der hier ansässigen Gemeindeglieder konzentrierte sich im Umkreis von wenigen Kilometern um den Ort Kostopol.

Der von 1924 bis 1931 hier tätige Pastor KRUSCHE, Ernst Waldemar setzte sich für den Bau einer eigenen Kirche in der Stadt ein. Hierzu flossen zur Unterstützung des Baus Spenden aus Lodz, Warschau, Pabianice, Zgierz, Gombin und auch maßgeblich von ehemaligen Wolhyniern, die in den USA lebten. Das erbaute Paulus-Gotteshaus wurde am 24. Oktober 1926 eingeweiht.[6]

Aus der privaten Fotosammlung des letzten luth. Pastors Jakob FUHR (1937-1939) stammt das Bild der Kirche ohne Kirchturm. Links ist das neue Pfarrhaus zu sehen. Hierzu schreibt sein Sohn:[7]

"... rechts, das scheunenähnliche Gebäude ist die Kirche und das neue Gebäude ist das Pfarrhaus. Es war ein Ziegelbau, weiß getüncht mit rotem Dach. Unten war die Pfarrwohnung und ein größerer Raum für kirchliche Veranstaltungen und oben sollte die Familie BROKOP (Schriftführer und Kirchensteuereinnehmer) wohnen. Das Haus ist im August 1939 bezugsfertig geworden. Als Vater meine Mutter und mich von den Großeltern in Warschau holen wollte, brach der Krieg aus und er fuhr allein zurück. Dort wurde er von den Polen verhaftet und kam nach Bereza Kartuska."

Links:


Quellen:

  1. a b Kartenwerk der österreichisch-ungarischen Monarchie, M1:75.000, Blatt 3677
  2. Bild der Kirche mit dem Pfarrhaus aus der Fotosammlung der Familie FUHR
  3. КАРПЮК А.М."Стежками Легенд і Переказів - Фольклорні топоніми Костопільщини", Kostopol 2001, S.21
  4. Ukrainische Wikipedia zu Костопіль
  5. Russische Ortsverzeichnisse der Jahre 1888 und 1906
  6. KNEIFEL, Eduard "Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555 - 1939", Selbstverlag des Verfassers, Vierkirchen 1971
  7. Privater Schriftverkehr mit Harald FUHR, Sohn des ev.-luth. Pastors Jakob FUHR



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